Substanzgebundene Suchterkrankungen

Was sind substanzgebundene Suchterkrankungen?

Als substanzgebundene Süchte bezeichnet man Formen von psychischen Abhängigkeiten oder Zwängen, die mit der Einnahme von Substanzen wie beispielsweise Alkohol, Drogen oder Medikamenten verbunden sind.

Behandlung

Das ambulante tagesklinische Therapieangebot des 8-Wochen-Programms beinhaltet:

  • Wöchentlich durchschnittlich 6 therapeutische Stunden (Gruppen- und Einzelpsychotherapie, Ergotherapie)
  • Physio- und Sporttherapie einzeln und in der Gruppe 4 Stunden wöchentlich
  • Entspannungstraining nach Jacobson
  • Selbstsicherheitstraining nach Ullrich (Nein-sagen, Soziale Kontakte knüpfen) 1 Stunde wöchentlich
  • Computertrainingsmethoden 1 Stunde wöchentlich

Dabei legen wir besonders Wert auf

  • Beachtung und den Aufbau eines adäquaten Sozialverhaltens in der Gruppe
  • Reduzierung des Suchtmittelabusus
  • Stärkung der Frustrationstoleranz und der Selbstsicherheit
  • Aufbau von Kompensationsmöglichkeiten
  • Einleitung von sozialmedizinischen Massnahmen (Berufsberatung, Hilfestellungen bei Berufs-, Ausbildungs-, finanziellen- und Wohnort-Fragen, etc.).

Falls indiziert werden auch medikamentöse Therapien z.B. mit Seropram eingesetzt. Dies in Rücksprache mit den vor- und nachbehandelnden Ärzten.

Beispielstundenplan Suchterkrankungen

Einzeltherapeutische Angebot

Ambulante Entzüge

Patienten MZG

Als Patient/in im teilstationären oder ambulanten Programm haben Sie Anspruch auf interdisziplinäre Beratungen in Ihrem persönlichen Problembereich.

Sie können folgende Informationen erhalten:

  • Psychologische Probleme durch die Sucht
  • Physiologische Auswirkungen durch Suchtmittel auf den Organismus
  • Effektivität und Prognose
  • Adressen von Sucht-Beratungsstellen

Falls Sie Interesse an einer solchen zusätzlichen Beratung haben, melden Sie sich bitte bei Ihrer / Ihrem Bezugstherapeutin/-therapeuten. Sie / Er wird für Sie einen Termin bei einer der Fachpersonen vereinbaren.

Therapieziele

  • Dauerhafte Reduktion des Suchtmittelabusus
  • Aufbau eines soziales Umfeldes
  • Stärkung der Ressourcen
  • Erlernen von Entspannungsübungen und Kompensationsmöglichkeiten
  • Verhinderung von Folgeerscheinungen, wie soziale Isolation, körperliche Folgen, Suizidalität, etc.

Dazu arbeiten wir mit der Patientin zunächst in einer ersten Prozessphase:

  • an der Therapiemotivation
  • an der Compliance
  • am vertieften Verständnis der Problem- und Krankheitszusammenhänge
  • am Zugang zur körperlichen Erlebnisfähigkeit über Sport- und Physiotherapie.

Diese erste Prozessphase kann sich über einen längeren Zeitraum, oft sogar über die gesamte Dauer der 8 Wochen erstrecken. Das bedeutet, dass Symptomfreiheit nicht erreicht wird, aber das Bewusstsein für weitere therapeutische Schritte geschaffen worden ist.

Abhängig von der Persönlichkeitsstruktur und den kognitiven Fähigkeiten kann ferner an der Konfrontierbarkeit, an der Introspektionsfähigkeit und an der Konfliktfähigkeit gearbeitet werden.

Wissenschaftlich zu erwartende Erfolgsrate

  • Nach stationärer Behandlung sind 50% der Patienten nach 4 Jahren immer noch alkoholabstinent (Lindenmeyer, 1999). Ambulant ist die Besserungsrate 37%.
  • Antabus hilft nur mehr als Placebo bei älteren Patienten mit einer guten Motivation und genügender sozialer Stabilität. Innerhalb von vertraglichen Abmachnungen kann Antabus aber wirkungsvoll sein (O’Brian & McKay, 1998)
  • Nemexin kann das Trinkverhalten von Alkoholikern reduzieren (O’Brian & McKay, 1998), vor allem bei Patienten mit starkem Alkoholverlangen, wenig Lernfähigkeit sowie vielen somatischen Symptomen.
  • Kokainabhängigkeit kann mit Medikamenten nur wenig beeinflusst werden (O’Brian & McKay, 1998).
  • Wirksam und kostengünstig sind vor allem Selbstsicherheitstraining, Ehetherapie, Stress-Management, nicht wirksam Aversionstherapien, Konfrontation oder Alkoholberatungen (Finney, & Moos, 1998). AA ist nicht wirksamer als andere Verfahren.
  • Tagesklinische Settings sind genauso effektiv wie stationäre Behandlungen 6 oder 12 Monate nach der Behandlung (O’Brian & McKay, 1998, Süss, 1995)
  • Bei Opiatabhängigkeit ist Methadon nach wie vor wirkungsvoll (weniger Schlafstörungen, Depression, Zyklusstörungen und Krankheit von Neugeborenen im Vergleich zu Heroin). Kurze Behandlungszeiten umfassen 180 Tage (Verlängerter Entzug) (O’Brian & McKay, 1998)
  • Kurzzeittherapien mit Selbstsicherheitstraining, kognitiver Therapie, Expositionsbehandlungen Rückfallprävention und verhaltenstherapeutischer Paarbehandlung sind am wirkungsvollsten (Miller et al. 1995).
  • Verhaltenstherapie ist effektiv bei Spielsucht (Oakley-Browne, Adams & Mobberley, 2000)
  • Nur 8% der Spielsüchtigen sind spielfrei für 1 Jahr beim Besuch der Gamblers Anonymous (Petry, & Armentano, 1999). Verhaltenstherapie ist am wirksamsten.
Literatur Suchterkrankungen

Finney, J.W., & Moos, R.H. (1998). Psychosocial treatments for alkohol use disorders. In P.E. Nathan, & J.M. Gorman (1998). A guide to treatments that work (S. 156-166). New York: Oxford University Press.

Lindenmeyer, J. (1999). Alkoholabhängigkeit. Göttingen: Hogrefe.

Miller, W.P., Brown, J.M., Simpson, T.L., Handmaker, N.S., Bien, T.H., Luckie, L.F., Montgomery, H.A., Gester, R.K., & Tonigan, J.S. (1995). What works? A methodological analysis of the alckohol treatment outcome literature. In R.K. Hester, & W.R. Miller (Eds.), Handbook of alcoholism treatment approaches. Effective alternatives (vol. 2). (pp. 12-44). Boston: Allyn an Bacon.

O’Brian, C.P., McKay, J.R. (1998). Psychopharmacological treatments of substance use disorders. In P.E. Nathan, & J.M. Gorman (1998). A guide to treatments that work (S. 127-155). New York: Oxford University Press.

Oakley-Browne, M.A., Adams, P., Mobberley, P.M. (2000). Interventions for pathological gambling. Cochrane Database Syst. Rev., (2), CD001521.

Petry, N.M. & Armentano, C. (1999). Pervalence, assessment, and treatment of pathological gambling: a review. Psychiatr. Serv., 50(8), 1021-1027.

Süss, H.M. (1995). Zur Wirksamkeit der Therapie bei Alkoholabhängigen: Ergebnissse einer Meta-Analyse. Psychologische Rundschau, 46, 248-266.