Zwangsstörungen

Zuerst freut sich die Umwelt über den speziell sorgsamen Umgang mit Ordnung, Sauberkeit oder Fehlerfreiheit von Arbeiten ohne von Gedankenzwängen wie Zählen, sich Versichern oder anderen magischen Ritualen etwas zu merken. Bis mit der Zeit langsam klar wird, dass die Betroffenen nicht mehr anders können, in Stress geraten, wenn die Rituale nicht ausgeführt werden können, immer mehr soziale Nachteile (zu spät zur Arbeit/in der Schule erscheinen, nicht fertig werden etc.) auf sich nehmen müssen.

Zwänge werden auch von Betroffenen erst spät entdeckt (durchschnittliche Latenzzeit ohne fachgerechte Therapie 18 Jahre!).

Behandlung

Das ambulante tagesklinische Therapieangebot des 8-Wochen-Programms beinhaltet:

  • Wöchentlich durchschnittlich 6 therapeutische Stunden (Gruppen- und Einzelpsychotherapie, Ergotherapie)
  • Physio- und Sporttherapie einzeln und in der Gruppe 4 Stunden wöchentlich
  • Entspannungstraining nach Jacobson
  • Selbstsicherheitstraining nach Ullrich (Wünsche und Bedürfnisse äussern lernen, Abgrenzung) 1 Stunde wöchentlich
  • Computertrainingsmethoden 1 Stunde wöchentlich zur Objektivierung der kognitiven Defizite

Dabei legen wir besonders Wert auf

  • Beobachtung des Sozialverhaltens in der Gruppe
  • Führen von Zwangsprotokollen
  • Expositionsübungen (Verhinderung des Zwangsverhalten) sowie Versuch, das Zwangsverhalten durch Protokolle zu beschränken
  • Erlernen des Umgangs mit dem Zwangverhalten (Entspannungsübungen, Sport usw.)
  • Erlernen von alternativen Verhaltensweisen und Kompensationsmöglichkeiten
  • Normalisierung und Strukturierung des Alltags
  • Einleitung von sozialmedizinischen Massnahmen (Berufsberatung, Hilfestellungen bei Berufs-, Ausbildungs-, finanziellen- und Wohnort-Fragen, etc.).

Falls indiziert werden auch medikamentösen Therapien eingesetzt, dies in Rücksprache mit den vor- und nachbehandelnden Ärzten.

Beispielstundenplan Zwangsstörungen

Einzeltherapeutisches Angebot

Ambulante Entzüge

Patienten MZG

Als Patient/in im teilstationären oder ambulanten Programm haben Sie Anspruch auf interdisziplinäre Beratungen in Ihrem persönlichen Problembereich.

Sie können folgende Informationen erhalten:

  • Fakten zu Krankheit (Epidemiologie)
  • Physiologische Ursachen / Auswirkungen
  • Effektivität
  • Angstkurve / Konditionierung (wie Angst funktioniert)
  • PMR (Entspannungskurve)
  • Behandlungsmethoden
  • Adressen von Selbsthilfegruppen
  • Informationen zu Angststörungen im Internet

Falls Sie Interesse an einer solchen zusätzlichen Beratung haben, melden Sie sich bitte bei Ihrer / Ihrem Bezugstherapeutin/-therapeuten. Sie / Er wird für Sie einen Termin bei einer der Fachpersonen vereinbaren.

Therapieziele

  • Dauerhafte Reduktion des Zwangsverhalten
  • Stärkung der Ressourcen
  • Erlernen von Entspannungsübungen und Kompensationsmöglichkeiten
  • Verhinderung von Folgeerscheinungen, wie soziale Isolation, Medikamentenabusus, körperliche Folgen durch Zwangshandlungen, Suizidalität usw.) 

Dazu arbeiten wir mit zunächst in einer ersten Prozessphase

  • an der Therapiemotivation
  • an der Compliance (führen von Zwangsprotokollen, Suchen nach alternativen Verstärkern)
  • am vertieften Verständnis der Problem- und Krankheitszusammenhänge
  • am Zugang zur körperlichen Erlebnisfähigkeit über Sport- und Physiotherapie.

Diese erste Prozessphase kann sich über einen längeren Zeitraum, oft sogar über die gesamte Dauer der 8 Wochen erstrecken. Das bedeutet, dass Symptomfreiheit nicht erreicht wird, aber das Bewusstsein für weitere therapeutische Schritte geschaffen worden ist.

Abhängig von der Persönlichkeitsstruktur und den kognitiven Fähigkeiten kann ferner an der Introspektionsfähigkeit, an der Konfrontierbarkeit und an der Konfliktfähigkeit gearbeitet werden.

Wissenschaftlich zu erwartende Erfolgsrate

Follow-up-Untersuchungen bei ambulanten kognitiven Verhaltenstherapien der Angststörungen weisen folgende Resultate auf:

  • Ritualverhinderung und Exposition führt zu 75% Verbesserung (Foa et al., 1984).
  • Expositionstherapie und Anafranil bzw Fluctine wirken besser als unspezifische Therapien und Gedankenstopp (Christensen et al., 1987; Cox et al., 1993). Bei Absetzen der Medikamente sind Rückfälle wahrscheinlich (Franklin & Foa, 1998).
  • Porgramme zur Verhinderung von Rückfällen sind notwendig 75% vs. 33% können den Erfolg halten (Hiss et al., 1994). Selbsthilfegruppen scheinen den Effekt nicht vergrössern zu können (Emmelkam & van Oppen, 2000).
  • Gruppenprogramme sind effektiver als individuelle Therapie, intensive Programme deutlich effektiver (Foa et al, 1984).
  • Ein stationäre Behandlung ist bei den meisten Zwangspatienten nicht effektiver als eine intensive ambulante Behandlung (Emmelkamp & van Oppen (2000). 
Literatur Zwangsstörungen

Christensen, H., Hadzi, D., Andrews, G. & Mattick, R. (1987). Behavior therapy and tricyclic medication in the treatment of obsessive-compulsive disorder: A quantitative review. Journal of Consulting and Clinical  Psychology, 55(5), 701-711.

Cox, B.J., Swinson, R.P., Morrison, B., & Lee, P.S. (1993). Clomipramine, fluoxetine, and behavior therapy in the treatment of obsessive-compulsive disorder: A meta-analysis. Journal of Behavior Therapy and Experimental Psychiatry, 24(2), 149-153.

Emmelkamp, M.G. & van Oppen, P. (2000). Zwangsstörungen. Göttingen: Hogrefe.

Foa, E.B., Steketee, G., Grayson, J.B., Turner, R.M., & Latimer, P. (1984). Delibarate exposure and blocking of obsessive-compulsive rituals: Immediate and long-term effects. Behavior Therapy, 15(5) 450-472.

Franklin, M.E., & Foa, E.B. (1998). Cognitive-behavioral treatments for obsessive compulsive disorder. In In P.E. Nathan, & J.M. Gorman (1998). A guide to treatments that work (S. 339-357). New York: Oxford University Press.

Hiss, H., Foa, E.B., & Kozak, M.J. (1994). Relapse prevention program for treatment of obsessive-compulsive disorder. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 62(4), 801-808.